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Erste Leidenschaft
translated by WABE
Als Jürgen das Gartentor klappen hörte, stand er auf und trat ans Fenster. Da gingen sie, elegant gekleidet wie immer, wenn sie nach München ins Theater fuhren. Vater in seinem dunklen Anzug, der ihm so gut stand, und Mutter mit einem langen Abendkleid. Ein hübsches Paar, wie aus dem Bilderbuch. Dabei lachten sie und waren schon jetzt in bester Stimmung.
"Es wird spät", hatte Vater augenzwinkernd zum Abschied gesagt. "Wir waren schon ewig nicht mehr in der Stadt, und wir wollen es genießen. Macht mir keine Dummheiten. Aber ihr seid ja schon fast erwachsen. Ihr könnt Fernsehen oder Lesen, und wenn es euch nicht mehr paßt, geht ihr einfach ins Bett. Morgen ist auch noch ein Tag, und am Wochenende fahren wir alle gemeinsam irgendwo hin. Schließlich müssen wir Barbara ja etwas bieten, wenn sie schon ihren Urlaub bei uns verbringt. Schade, daß deine Cousine nichts von Theater hält, und du warst ja schon immer ein Kunstbanause. Also macht's gut!"
Unwillkürlich mußte Jürgen grinsen, als er an die kleine Abschiedsrede seines Vaters zurückdachte. Besonders die Bemerkung, sie sollten keine Dummheiten machen, war ihm sekundenlang in die Knochen gefahren Vermutlich hatte Vater dabei an früher gedacht, als er Barbara und ihn einmal splitternackt beim Doktorspiel überraschte. Er hatte nie ein Wort darüber verloren, aber es auch nie vergessen. Dabei lag es schon so weit zurück.
Schade! dachte der Junge. Er sah seine Eltern in den schweren Mercedes steigen und überlegte, wieviel Zeit seit damals vergangen war. Früher hatten er und Barbara immer ihre Ferien zusammen verbracht. Sie waren fast wie Geschwister aufgewachsen, bis das Mädchen in die Pubertät kam und plötzlich Interesse an sexuellen Spielereien zeigte. Sie hatte gerade die Knospen von winzigen Brüsten bekommen, und er die ersten Haare. Damals war er zwölf und sie dreizehn.
Also fünf Jahre! schoß es ihm durch den Kopf. Fünf Jahre, in denen sie sich kaum gesehen hatten und getrennt aufwuchsen. Und nun war sie wieder. für drei Wochen hier. Eine junge Dame von achtzehn Jahren, an der kaum noch etwas an die staksige Babs von damals erinnerte.
Wahrscheinlich hat sie längst einen Freund, mit dem sie jederzeit bumsen kann, wenn ihr danach ist, dachte Jürgen wehmütig. Irgendeinen Kerl, ein paar Jahre älter und mit dickem Schwanz. Ich bin halt doch nur der kleine Cousin, und sie erinnert sich längst nicht mehr an unsere harmlosen Spiele von damals.
Mit einem schnellen Blick streifte Jürgen das bildhübsche Mädchen. Total versunken saß Barbara unmittelbar neben dem Fenster und blätterte in einer Illustrierten. Sie schien ihn noch nicht einmal wahrzunehmen. Dabei ließ allein ihre Nähe sein Herz schneller schlagen. Immer wieder tauchten Bilder von früher vor seinem geistigen Auge auf. Er sah sie nackt vor sich stehen, wie sie ihn zu reizen versuchte, oder sich mit ihr in abgelegenen Scheunen oder Kornfeldern herumtreiben. Damals trug sie noch lange Haare. Jetzt hatte sie eine kurze Windstoßfrisur, die ihr eigentlich noch besser stand.
Kurz bevor die Eltern losfuhren, drückte, Vater kurz auf die Hupe. Unwillkürlich zuckte Jürgen zusammen. Es klang, als wollte er ihn noch einmal daran erinnern, sich wie ein heranwachsender junger Mann zu benehmen. Dann setzte sich der Wagen in Bewegung, und nun waren sie endgültig allein......(cont)
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