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Das letzte Spiel
from WABE
Seine Stimme war heiser, als er sagte: »Wiederhol' das doch noch einmal, Ingrid!« Sie sah ihm fest in die Augen, aber sie konnte die leichte Röte, die ihr Gesicht überzog, nicht verbergen. »Du sollst mich ficken«, sagte sie. Auch ihre Stimme war heiser, ihre Hand zitterte leicht. Er löste den Blick von ihrem Gesicht und stand auf. Der Lärm der Straße klang ins Zimmer; er schob den Sessel zurück und ging in die Küche. Als er mit einer Kognakflasche und zwei Gläsern zurückkam, sagte er:
»Wenn du es nicht zweimal gesagt hättest... - aber was ist mit dir los? Oder -« »Nein«, sagte sie. »Es ist alles in Ordnung. Ich heirate in drei Tagen, daran wird sich nichts ändern. Du brauchst auch keine Angst zu haben, ich nehme die Pille. Aber ich bitte dich darum, Franz.« »Bitten!« stieß er hervor. »Ich verstehe es nicht. Ich habe keine Ahnung, worauf du hinaus willst. Hat es was mit Peter zu tun? Willst du ihm eins auswischen? Ihr Frauen rächt euch doch manchmal, indem ihr solche Sachen tut!« Sie streifte die Asche der Zigarette ab und griff nach dem Glas, das er ihr halbgefüllt hinhielt. Er setzte sich wieder. »Hör zu«, sagte er. »Ich wollte heute abend in die Stadt, um ein Mädchen aufzugabeln. Irgendwo in einem Lokal. Eine zum Umlegen. Eine, die nicht lange fragt, verstehst du. Und die morgen früh wieder weggeht. Vielleicht mit zwanzig Mark in der Handtasche... Ich bin ein Mann und brauche so etwas. Seit ich mit Karla gebrochen habe - ach, was geht's dich an! Und wenn's dir danach ist, wenn du ficken willst, dann geh doch zu Peter und leg' dich bei ihm auf die Couch. Es dürfte ja nicht das erste Mal sein -«
»Es wäre das erstemal...«, erklärte sie. Sie drückte die Zigarette aus und trank das Glas leer. »Ihr habt nie -«
»Bis jetzt nicht. Weil ich ihn liebe. Darum. Ich liebe ihn wirklich. Und genau das ist der Grund, warum du's mit mir machen sollst. Heute. Jetzt.«
Er stand wieder auf.
Sie hatte ihm ihr schönes Gesicht entgegen gehoben und sah ihn ruhig an. Er kannte sie seit vielen Jahren. Und er erinnerte sich noch genau daran, wie sie damals ins ,Nachbarhaus gezogen war: ein dünnes, langbeiniges Mäd-chen, das lieber Fußball als mit Puppen gespielt hatte.
Dann hatten sie sich aus den Augen verloren. Nur hier und da in den letzten Monaten, nachdem sie in die Stadt zurückgekehrt war, hatten sie sich gesehen. Ein lächelnder Gruß, ein paar Worte. Wie geht's deinen Eltern? Und wie geht's deinen Eltern?
Nun war sie zwanzig und würde Peter Kronach heiraten. Keine schlechte Partie.
Aber sie hätte auch jeden anderen haben können. Ihr schmales, braungebranntes Gesicht, die dunklen Augen, die hellen Haare - sie war schön. Sein Blick folgte den Rundungen ihres Busens, glitt hinab zu den Oberschen-keln, die ihr Mini zeigte, und blieb an den langen Beinen hängen. Eine Frau wie aus dem Modejournal, dachte er. »Was hast du mit ihm vor?«
»Mit wem?«
Ärgerlich stieß er hervor: »Mit Peter natürlich! Ist er vielleicht gerade in diesem Augenblick mit einer zusam-men und du -«
Sie schüttelte den Kopf; er sprach nicht weiter.
»Gib mir noch einen Kognak«, bat sie. Er nahm ihr Glas. »Es ist anders, wirklich ganz anders. Ich will's tun, weil ich ihn liebe. Ich will wissen, wie das ist, wenn Mann und Frau -«
Er starrte sie wieder an.
Dann goß er den Kognak hinunter. »Willst du mir erzäh-len, du hättest noch nie einen Mann gehabt?« Wieder flog ein roter Schimmer über ihr Gesicht und vertiefte ihre Bräune. Sie stand auf und ging zum Fenster. Ein paar Augenblicke lang sah sie die Straße hinunter, dann wandte sie sich um.
»Drei haben mich gehabt - nicht ich sie...«
Sie kam zum Sessel zurück und schlug die Beine überein-ander. Er hatte kurz das weiße Dreieck ihres Slips über der Strumpfhose gesehen und spürte die beginnende Erre-gung. Er wußte noch nicht, was er aus dieser Situation machen sollte.
»Ja, drei... « fuhr sie nachdenklich fort. »Der erste nahm mich, als ich... warte mal... als ich siebzehn war glaube ich. Er hatte einen Sportwagen, und im Wald riß er
mir die Kleider herunter. Es blutete ziemlich stark, und er erschrak, weil er geglaubt hatte, ich wäre keine Jungfrau mehr. Dann kam ein Geschäftsfreund meines Vaters. Niemand war zu Hause. Es war sehr heiß, und ich lief im Bikini herum. Er brachte irgendwelche Muster, und als er mich so sah, kam er gleich ins Zimmer. Auf der Couch passierte es dann. Er sah gut aus, ich ließ es mit mir machen, ich meine, ich wehrte mich nicht!«
......(cont)
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